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Abschied von der Braunkohle

Der Abschied von der Braunkohle rückt näher. Gewinner sind der Klimaschutz, die Volkswirtschaft – und die Windenergie.

Denn in Deutschland sind nur die erneuerbaren Energiequellen in der Lage, die unermesslich teure Atomkraft (Endlagerkosten) und die besonders klimaschädliche Braunkohle zu ersetzen.

Braunkohle ist dreckig und energiewirtschaftlich unvernünftig. Braunkohle hat den größten Anteil am Kohlendioxid-Ausstoß (170 Mio. von insgesamt 317 Mio. t 2013). Sie hat auch den höchsten Primärenergiefaktor aller Energiequellen in Deutschland: Zur Produktion von 100 MWh müssen zuvor 120 MW aufgewendet werden.

Braunkohle verursacht auch einen enormen volkswirtschaftlichen und menschlichen Schaden. Nach einer Studie der Universität Stuttgart im Auftrag von Greenpeace sterben in Europa jedes Jahr 3.100 Menschen infolge der Luftverschmutzung von deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerken.
Nach der Schadstoffdatenbank des Umweltbundesamts blies 2012 allein das Vattenfall-Braunkohlekraftwerk Jänschwalde 505 kg Quecksilber in die Luft. Diese Menge entspricht der Befüllung von 220 Mio. Energiesparlampen.

Zudem bedeutet der Braunkohle-Tagebau eine Kulturzerstörung unvorstellbaren Ausmaßes. Die Ausstellung in der Slawenburg Raddusch in Vetschau (Lausitz) zeigt, wie der Braunkohle-Tagebau eine große Zahl einzigartiger Funde aus der Eisen-, Bronze-, vorslawischen und slawischen Zeit für immer vernichtet.

Es ist daher keine Überraschung, dass die Braunkohle-Betreiber (RWE, Vattenfall sowie Mibrag) mittlerweile ihre Braunkohle-Aktivitäten abstoßen wollen. Vattenfall ist übrigens ein schwedischer Staatskonzern. Mibrag ist in tschechischem Besitz. Überdies fördert der Bundeswirtschaftsminister im Zuge einer „Hartz IV für Kraftwerke“-Politik die Stilllegung von Braunkohle-Kraftwerken. Vattenfall legt 2018 und 2019 insgesamt zwei 500 MW-Blöcke vorläufig und vier Jahre später endgültig still.

Die deutschen Verbraucher brauchen für diese -erfreuliche- Stilllegung einen Ausgleich. Die bisherigen Ausbauziele für die erneuerbaren Energien berücksichtigen nur den Ausstieg aus der Atomenergie. Nun muss auch der Braunkohle-Ausstieg ausgeglichen werden. Es ist daher dringend nötig, den Ausbau-Deckel für die Offshore-Windenergie mit der nächsten Änderung des EEG deutlich anzuheben.

Verfasst von Reinhard Stuth